Monatsarchive: März 2014

Windpilot – die englischen Wurzeln

B. 6 John Adam 1968 KopieWindpilot Historie Mk II
Die Geschichte der Firma Windpilot seit dem Eigentümerwechsel im Jahre 1976 ist hinlänglich bekannt, auch weil die Umstände ungewöhnlich gewesen sind, denn der kurzentschlossene Tausch einer veritablen Segelyacht bei einem Segeltörn, gegen den Inhalt einer dunklen Werkstatt auf einem Reiterhof in der Waldstadt Mölln, hat erheblichen Unglauben hervorgerufen, vor allem an meinem Geisteszustand. Wenn eine ängstliche Ehefrau den Mut des Angetrauten in Zweifel zieht, weil ihr ein weniger aufregendes Leben mit mehr Sicherheiten wichtiger gewesen wäre, tun sich Gräben auf, die am Ende nicht mehr zuzuschütten sind. Die Dinge nahmen also ihren stringenten Lauf. Manchmal genügt im Leben eine Weichenstellung, um eine Entscheidung zu fällen deren Eigendynamik sprachlos macht – weil es plötzlich nix mehr zu tun gibt, weil der Erdrutsch bereits im Gange ist. WEITERLESEN …

hiking – until …

Fieber, Sturm und Feste feiern

20140330

Aufregung am Sonntag

Die letzte Frente Frio, die Kaltfront, hat dem Süden Kubas irgendeine fiese Grippe als Mitbringsel mitgebracht. Reihenweise legen sich die Segler flach und verbringen einen ganzen Tag mit Fieber, Bauchkrämpfen, Kopf- und Gliederschmerzen und Kamillentee im Bett, bevor sie am nächsten Tag zur Tagesordnung übergehen können. Uns erwischt es auf der MARLIN im geordneten Zwei-Tages-Rhythmus. Montag die Oma, Mittwoch ich, Freitag Lena und heute Mittag hat es dann Maya umgehauen. Hartnäckiges Biest, diese Grippe. Und der Kamillentee ist auch bald aus an Bord.

Trotz Grippewelle geht natürlich das Leben weiter, irgendjemand feiert heute seinen Geburtstag in der Bar der Marina und zu diesem Ereignis wird heute aufgespielt. Ein paar kubanische Musiker haben Cora und Stan von der Ambler angeheuert, sie bei der musikalischen Untermalung zu unterstützen. Cora und Stan sind Musiker, Saxofon, Piano und Gesang, spielen Jazz und Blues und sind seit Jahrzehnten auf ihrem Schiff zu Hause. Am frühen Nachmittag wandern Verstärker, Keyboard und Notenständer vom Schiff in die Bar und alles bereitet sich auf den Beginn des Konzertes um 15 Uhr vor. Die ersten Segler stöckeln im Sonntagsdress über den Steg, der Soundcheck läuft. Währenddessen brauen sich im Nordwesten dunkle Wolken zusammen, sehr dunkle Wolken.

Mit den ersten Akkorden fallen auch die ersten Regentropfen und innerhalb von Sekunden verwandelt sich die blaue Sonntagsatmosphäre in eine ausgemachte Kaltfront. Es bläst mit 35 Knoten Maximum aus Südwest, und während der Barmann die Marquisen runterlässt, damit die Gäste nicht nass werden, springe ich um die MARLIN herum um zusätzliche Leinen zu legen, die Fender zu justieren und die vorhandenen Festmacher zu kontrollieren, Es schüttet aus Eimern, die ersten Boote gehen draußen im Ankerfeld auf Drift, hektisch lösen sich Dinghis von der Mole und hetzen durch das Unwetter zurück zu ihren Schiffen. Ich bin mittlerweile zum zweiten Mal vollkommen durchnässt, aber unserem Kahn ist nichts passiert, nicht ein Kratzer. Wie gut, dass ich vor zwei Wochen die Fender nochmal ordentlich aufgepustet habe, denn an unserem Platz werden wir bei Westwind gegen den Steg gedrückt, und was diese kubanischen Stege mit unserem Lack anstellen können, wissen wir ja schon. Zwei Stunden später ist die Lagune spiegelglatt, die Sonne scheint und bis auf ein paar warme Pfützen, in denen die Kinder spielen, erinnert nichts mehr an die durchgezogene Front. Jetzt wird aufgespielt, von Cora, Stan und den Kubanern, denn noch eine Front kommt heute sicher nicht mehr.

Arbeit über Arbeit über Arbeit über Arbeit

Die Zeit rennt mir immer mehr davon, in ein paar Tagen ist der Krantermin und bis dahin muss mein Deck wieder wasserdicht und begehbar sein. Auf diesen Fotos sieht man den Umfang der Arbeiten. Das fast die Hälfte des Backbordvordecks war angegriffen. Ich habe hier die obere Deckschicht ausgesägt und den nassen und torfigen Holzkern komplett bis auf die untere Schicht entfernt. Dann 2 Glasfasermatten einlaminiert und in dieses Bett zurechtgesägte Platten aus Hartschaum eingesetzt, die nun quasi das Holz ersetzen. Darauf wieder 2 Glasfasermatten laminiert und die ausgesägte Deckschicht obendrauf geklebt. Da mir die Sägeschnitte immer noch gefährdet erschienen habe ich nun noch einmal 2 Lagen Matte mit je 5cm Überlappung auf die intakte Deckschicht drüberlaminiert. Zwischendurch immer wieder Unebenheiten ausgeglichen und geschliffen. Eine echte Drecksarbeit, vor allem im Liegen unter der Plane oder alternativ mit abgezogener Plane im strammen Wind. Daher ist jetzt erst einmal Erholung in der Türkei angesagt. Im Moment sieht das alles noch richtig hässlich aus, fühlt sich aber endlich wieder stabil an. Nun kommt als nächstes ein komplett neuer Decksanstrich mit spezieller rutschfester Farbe, des alles wieder versiegeln soll. Dafür habe ich nun aber nur noch 3 Tage Zeit nach meiner Rückkehr aus der Türkei, so das ich wohl zunächst nur das Backborddeck und den Mastbereich streichen werde; das intakte Steuerborddeck folgt dann bei passendem Wetter. So kann ich mich dann auf dem Deck bewegen und nass auf nass malen, sonst müsste ich warten bis die Farbe getrocknet ist und jedesmal anschleifen.

Im Mastbereich bin ich anders vorgegangen um die Struktur der Deckschicht nicht zu sehr zu schwächen. Ich habe hier die Bereiche abgeklopft, die ebenfalls nasses Holz hatten. Hier dann mit 6mm in ca. 5cm Abständen hineingebohrt und den Bereich etwas trocknen lassen (schwierig!!). Dann mit einer großen Spritze angedicktes Harz in die Löcher gepumpt, bis es aus den umliegenden Löchern oben wieder ausgetreten ist. An den meisten Stellen ging das sehr gut, es gab aber auch Bereiche, in denen viel Harz nötig war. Hier musste ich teils 2x pumpen. Eine Stelle hat sich dabei aufgrund der Reaktionstemperatur des Harzes und der verwendeten Menge so extrem erhitzt, das es aus den Löchern blubberte und dampfte. Es können dabei ja sogar Brände entstehen, so das ich doch sehr nervös wurde; nach 20 Minuten hat sich der Zauber dann beruhigt, und ich konnte aufatmen….Auf die durch Bohrung geschwächten Bereiche habe ich dann ebenfalls 2-3 Lagen Matte auflaminiert. Das Foto zeigt noch eine Vorstufe. Nun ist hier auch wieder alles zu, fest und sehr stabil. Ich hoffe das hält nun erst einmal wieder und ist nicht zu spröde. Auch hier kommt dann noch Decksfarbe drüber, so das kein weiteres Wasser mehr eindringen sollte.

Den Grund für die Feuchtigkeit im Deck konnte ich leider bisher nicht feststellen. Es gab ein paar kleine Macken im Laminat, aber ob die dafür verantwortlich waren? Jedem Bootsbauer würde vor meiner Arbeit sicher grauen, aber aufgrund Zeit- und Geldmangels blieb mir keine andere Option. Ich hoffe mit der neuen Farbe sieht das dann wieder einigermassen OK aus…denn ganz glatt bekomme ich es nicht mehr : ( Aber am Ende ist es mir egal, Hauptsache der Kram hält!!
Die letzte Baustelle war das Ruder, das ist nun auch endlich wieder dran…erst ein Loch gebuddelt, dann rein damit. Sitzt bombenfest, aber nach oben hin leider etwas zu stramm, so das es am Rumpf schabt…hier muss ich nun noch mit Unterlegscheiben etwas ausgleichen um es ca. 1-2mm tiefer zu bekommen, damit sich das Antifouling bzw. die Gelcoatschicht nicht abreibt.

Die neue Tablethalterung im Cockpit ist ganz nett geworden und vor allem fertig.
Nun muss noch der Rumpf und Mast poliert werden, eine neue UKW Antenne in den Mast, der neue Impeller in den Diesel und die Batterien eingebaut werden. Dann das Boot gekrant und der Mast gestellt, die Segel abgeholt und angschlagen werden. Wenn dann alles funktioniert kann ich mich auf die Reise konzentrieren, zur Zeit bin ich gedanklich einfach noch nicht so weit bei der Menge an Arbeit….

Andererseits will ich nicht jammern, ich bereite mich auf etwas ganz Großes vor, sitze in der Sonne und niemand hetzt mich. Wenn ich da an meinen Kumpel Mike von klassisch-am-wind.de denke; der hat 3 noch Folkeboote in gewohnter Perfektion fertig zu machen und die Chartersaison steht vor der Tür…na da bestell ich doch noch mal nen Cafe!!

Cola cubana, Lektion 3

20140328

Visum verlängert

Wer jetzt an Unterricht in der Zubereitung rumhaltiger Getränke wie Cuba libre und Mojito denkt, ist schiefgewickelt, es geht mal wieder ums Schlange stehen. Seit meinen letzten Versuchen das System auf dem Einwohnermeldeamt zu begreifen, sind 5 Wochen ins Land gezogen und ich hatte jede Menge Gelegenheit, Schlange zu stehen. Vor der Wechselstube, in der Bank, vor dem Internetcafe, selbst vor der Eisdiele. Das erforderliche schnarrende „El Ultimo?“ geht mir mittlerweile so locker und selbstverständlich von der Zunge, dass ich sofort eine Antwort bekomme und nicht mehr viermal nachfragen muss.

Aber ich habe noch mehr gelernt: Wer kubanisch Schlange steht, muss nicht notwendigerweise stehen. Man sichert seinen Platz ab, indem man sich diejenigen merkt, die vor und nach einem kommen. Danach ist man frei zu kommen und zu gehen, wohin man will. Ein bisschen wie beim Arzt, wenn einen die Sprechstundenhilfe nochmal einkaufen schickt, weil im Wartezimmer kein Platz mehr ist. Das System ist praktisch und funktioniert gut, so lange nur Kubaner involviert sind. In der Immigration, wo Kubaner und Ausländer in einer gemischten Schlange für alle „internationalen Angelegenheiten“ stehen, kann es Probleme geben. Nicht jeder Italiener, Deutsche, Kanadier oder Franzose sieht ein, dass vor ihm weitere 10 Leute dran sind, obwohl sie zwischendurch nicht da waren. Frei nach dem Motto: weggegangen, Platz vergangen!

Nachdem ich gestern umsonst dort war, weil ich den Nachweis meiner Krankenversicherung vergessen habe, quäke ich heute morgen um viertel nach acht mein „El Ultimo?“ in die Runde und bekomme den vierten Platz. Ha, nicht schlecht Herr Specht. Nach ein bisschen Fragerei steht fest, auch heute öffnet das Visaamt nicht vor halb 11 seine Pforten. Zwei Stunden rumsitzen, nein danke. Schnell noch meinen Nachfolger merken und ab geht es ins Internet Cafe. Hier kommt mir die Lektion des Kapitels: „Kaufe was es gibt, und davon viel!“ zu Gute. Vor der ETECSA steht nämlich eine lange Schlange von Menschen, die Prepaidkarten fürs Internet kaufen wollen. Ich allerdings habe welche in der Tasche, auf Vorrat gekauft, als mal keine Schlange war. Ohne Probleme ziehe ich an der neuen Cola vorbei und genieße 40 Minuten schnelles Internet am Morgen. Jetzt noch einen Kurzbesuch auf dem Markt und dann zurück zum Amt. Mittlerweile ist es 10 Uhr und der Wartesaal rappellvoll. Um halb 11 haben sich all die wieder eingefunden, die keine Lust hatten herumzusitzen und es gibt ein leichtes Durcheinander die Schlange wieder zu ordnen. Hinter wem war der Junge, der neben Dir saß? Hinter der mit den Streifen. Nee, die ist doch jetzt drin. Was für Streifen, längs oder quer? Längs! Nee, der Junge kommt nach der mit den Querstreifen. Ach so, und dann der Italiener und dann die Blonde. Jeder hat sofort seinen Namen weg. El niño, das Kind, ist schon 24, el Viejo, der Alte, hat immerhin einen Stock, el Chino, der Chinese hat etwas gelblichere Haut und la Alemana, die Deutsche, bin ich.

Um 12 stehe ich vor dem Laden, mit drei neuen Aufklebern und Stempeln auf der Touristenkarte, dem Mittagessen im Einkaufskorb und vielen neuen Bekanntschaften in meinem Leben. Zur Feier des Tages gönne ich mir heute abend einen Cuba Libre mit TuKola, dem kubanischen Pendant zu Coca Cola – der einzig wahre Softdrink für einen echten Cuba Libre!

chinese gybe